2020 - GOLDENER PAVILLON

DER PAVILLON GLÄNZT DURCH ABWESENHEIT

Eine Installation von Andreas Uehlein & Zindi Hausmann

Veranstaltungsorte erhalten ihren Sinn und Zweck durch das, was in ihnen stattfindet.
Finden keine Veranstaltungen statt, können diese Orte durch ihre Architektur oder ihre Lage womöglich noch interessant sein, doch ihr eigentlicher Sinn ist nicht mehr vorhanden.
Verschwinden passiert meist lautlos und im Stillen. Es wird übertönt von dem was geschieht. Ist etwas verschwunden, dann ist es abwesend und passiert nicht mehr. Abwesenheit ist etwas sinnlich nicht Wahrnehmbares.
Zwischen dem Dorf Spiekeroog und seinem Strand steht in den Dünen der Lesepavillon. Als die Strandhalle / Givtbude vom Westen der Insel weiter in den Inselkern verlegt wurde, entstand auch Anfang der 1930er Jahre der Lesepavillon, damit die Gäste auf dem Weg zum Strand ihre Tageszeitung lesen konnten. In den 1980er Jahren ist der Pavillon abgebrannt. Da er aber ein inseltypisches Gebäude war, hat man sich entschieden, dieses aus dem Gedächtnis ähnlich wieder zu errichten. Ungefähr seit dieser Zeit hat die Kurverwaltung den Ort auch zusätzlich für Veranstaltungen genutzt. So lädt der Pavillon nicht nur zum Lesen ein, sondern verwandelt sich auch mal in einen Flohzirkus oder zum Sonnenuntergang in eine Bühne für Liedermacher. Er steht in diesem Sinn als Raum für Kunst und Kultur offen.
Jetzt bleibt er als solcher seinen Besuchern verschlossen.
Nach dem Prinzip „Sichtbarkeit durch Verhüllung“ machen wir den Pavillon oder eher die Abwesenheit eines kulturellen Ortes sichtbar. Und hörbar.
Durch die goldenen Fenster kann man nicht mehr durchschmulen, was gerade drinnen passiert. Durch die Fenster hört man Klänge, die an vergangene schöne Momente im Pavillon erinnern, Klatschen vor oder nach einem Konzert, Gelächter, Instrumente die gestimmt werden. Wie Salz in den Wunden fragt man sich: Wann war das letzte Konzert, dass ich hören durfte und wann wird wohl das nächste sein?

Für diese Installation wurden goldene Rettungsdecken benutzt, denn wir fragen uns, wie kann in Zeiten wie diesen Kultur gerettet werden.

Die Künstler



Andreas Uehlein, 1966 geboren, ist in Mannheim aufgewachsen. Schauspielausbildung an der Badischen Schauspielschule „Die Insel“. Er lebt in Berlin und hat seit 2002 als freier Schauspieler und Performer in vielen freien Produktionen mitgewirkt, u.a. an der Volksbühne, HAU, Maxim Gorki Theater, Sophiensaele. Seit 2004 gehört er zum Video Kollektiv mobtik und ist mit verschiedensten Produktionen auf internationalen Festivals vertreten. 2017/18 war er mit der Produktion „Sturmflut“ des Theaters Das Letzte Kleinod zu Gast auf Spiekeroog.

 

Zindi Hausmann wurde in Rüdersdorf bei Berlin geboren. Nach dem Studium der Kulturwisssenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim und Performing Arts in Turku (Finnland) arbeitete sie zunächst als freischaffende Künstlerin in Hildesheim. Für das Theater "Das Letzte Kleinod" schickte sie als Produktionsleitung den Theaterzug auf Reisen. Die verschiedensten Produktionen führten sie in die Niederlanden, Polen, sogar Tansania und letztendlich auch nach Spiekeroog. Für die Produktion „Sturmflut“ interviewte sie Insulaner zu ihren Erinnerungen, die dann das Stück formten.

Wie der Verein „Die Vielen e.V.“ wollen wir mit den goldenen Folien ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzen.


Die Vielen e.V. ist ein Zusammenschluss von Theater- und Kulturschaffenden sowie Institutionen und Vereinen, die sich zu Toleranz, Vielfalt und Öffnung bekennen. Es geht dabei sowohl um die Rahmenbedingungen, unter denen Kunst frei und unabhängig entstehen kann, als auch um die Selbstverpflichtung, sich für Teilhabe, Solidarität und eine demokratische und offene Gesellschaft einzusetzen.


Der Pavillon öffnet mit der Ausstellung „Erzähl doch mal...“ 2021 wieder seine Türen.

Die Kulturstiftung-Spiekeroog sagt! DANKE

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